SOUR-COCKTAILS

Braucht ihr noch einen angemessenes Getränk zum Jahresausklang? Meistermixologe Hans hat genau das Richtige für euch:

Gib’ mir Saures (aber auch Süßes)! Über die Getränkekategorie Sours

„The overwhelming majority of our cocktails are of the Sour type”, behauptete im Jahre 1948 Cocktailbuchautor David Embury (The Fine Art of Mixing Drinks). Mehr als ein halbes Jahrhundert später trifft das immer noch zu. Cocktailhistoriker Wondrich (geb. 1961, hat den gleichen Vornamen wie Embury (1886-1960), das kann man sich leicht merken) stellte im Jahre 2022 fest: „The sour (…) is one of the most important classes of modern drink.“ (The Oxford Companion to Spirits and Cocktails). Anlass für Rubemma, diesen Getränketypus näher unter die mixologische Lupe zu nehmen.

Embury definiert den Sour kurzweg als „simply a combination of citrus juice (lemon or lime or both), sugar other sweetening, and liquor.” Wondrichs Umschreibung ist etwas elaborierter, aber im Grunde genommen identisch: „a short, single-serving punch-offshoot with spirits, citrus juice, and a sweetening agent, served up.“ David Wondrich vermutet, dass die Getränkebezeichnung Sour Mitte des 19. Jahrhunderts in Amerika entstanden ist, als man dort anfing, Spirituosen mit süßen und sauren Komponenten zu verlängern, im Bestreben, das Aroma der Mixgetränke den individuellen Wünschen der Gäste anzupassen. Whisky Sour wäre demnach eine Verkürzung von „Whisky Sour and Sweet“. Tatsächlich ist ein richtiger Sour nicht nur sauer, sondern basiert auf einer Bilanz zwischen Süß und Sauer. Die Getränkeklasse und ihre Kurzbezeichnung wurden bald sehr beliebt. Im Jahre 1879 hieß es in der Tageszeitung Atlanta Daily Constitution: „When American meets American, then comes the Whisky Sour.“ 

Der Whisky Sour (Embury: „1 part Sugar Syrup, 2 parts lemon Juice, 8 parts Rye of Bourbon, two or three dashes Angostura to each drink constitute a pleasing addition“) ist also ein Beispiel aus vielen; nach der gleichen Bauart gibt es auch den Gin Sour, den Rum Sour, den Brandy Sour und den Applejack Sour. Die Mischverhältnisse können je nach individuellem Geschmack variiert werden, und selbstverständlich kann man mit Bitters zusätzliche Geschmacksnuancen anbringen; die Basisspirituose soll aber auf jeden Fall als Hauptanteil klar erkennbar bleiben (ohne es unbedingt so weit zu treiben wie Embury, der als radikaler Verfechter klarer Getränkestrukturen Cocktailgeschichte geschrieben hat).

Statt Zuckersirup kann auch ein Likör die süße Geschmackskomponente einbringen. Das lässt sich in einer Reihe von klassischen Drinks beobachten. Aufmerksame LeserInnen dieses Blogs (wer von euch ist das nicht?) haben zweifelsohne erkannt, dass die von Rubemma vorgestellten Margarita (5/8 Tequila, 1/4 Cointreau, 1/8 Limettensaft) und Penicillin (1/2 torfiger Whisy, 3/8 Ingwerlikör, 1/8 Zitronensaft, ggf. 1-2 Spritzer Thai Spice Bitters) dem klassischen Sour-Typus zugeordnet werden können. Gleiches gilt für das Kultgetränk der 90er Jahre, den später in Verruf geratenen Cosmopolitan (1/2 Wodka mit Zitronenaroma (das Originalrezept sieht  Absolut Citron vor), 1/6 Cointreau, 1/6 Limettensaft, 1/6 Cranberrysaft).

Weitere Beispiele:

  • Sidecar: 1/2 Brandy, 1/3 Cointreau, 1/6 Zitronensaft
  • White Lady: 1/2 Gin, 1/3 Cointreau, 1/6 Zitronensaft
  • Daiquiri: 1/2 weißer Rum, 1/3 Zuckersyrup, 1/6 Zitronensaft
  • Aviation: 1/2 Gin, 1/4 Maraschino , 1/4 Zitronensaft
  • Pegu Club: 3/5 Gin, 1/5 Cointreau, 1/5 Limettensaft, 1 Spritzer Angostura

Weil sie Fruchtsaft enthalten, werden alle diese Kreationen auf Eis geschüttelt und anschließend durchs Barsieb ins Glas geseiht. Um das Mengenverhältnis der Zutaten genau zu bestimmen, empfiehlt es sich, den frisch gepressten Fruchtsaft vorher zu probieren, denn der Säuregrad zeigt erhebliche Variation. So einfach kann Mixen sein!

Nach dem bewährten Sour-Strukturprinzip (Basis-Süß-Sauer) lassen sich zahlreiche weitere Getränke komponieren. Vom Verzehr der folgenden Eigenkreation wird bei Angst vor hämatophagen Nachtgestalten allerdings abgeraten:

Vampire’s Delight: 2/5 Wodka, 1/5 Campari, 2/5 Blutorangensaft, 1 Spritzer Angostura

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